Ziemniak | Kartoffel für die Deutsche Botschaft Warschau || 3. Platz

Mit unserem Entwurf möchten wir einerseits an segensreiche Geschichte der Kartoffeln in beiden Nachbarländern erinnern und gleichzeitig eine Tradition ins Leben rufen, welche die Sprachlosigkeit zwischen Deutschen und Polen nicht nur symbolisch überwindet. Die Kartoffel als deutsches und polnisches Nationalgemüse.

Zweiphasiger, offener Kunstwettbewerb Deutsche Botschaft Warschau, Teilnahme mit Veronike Hinsberg
3. Platz Ziemniak | Kartoffel

 

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Ziemniak/ Kartoffel, 2006, 1:50 Modell, Sommeracker

 

Aus dem Erläuterungstexts des Entwurfes:

die Kartoffel wurde vor 250 Jahren von Friedrich dem Großen in Preussen eingeführt (Kartoffelbefehl 1756) und trug wesentlich dazu bei, Hungersnöte zu überwinden. Während der ersten polnischen Teilung 1772 wurde die Einführung der Kartoffel dann auch im von Preußen besetzten Teil Polens befohlen.

niemec, niemecki (…): zu deutsch sowohl “stumm” (stammeln, stemmen, stottern, stoßen, stolpern) als auch deutsch, Deutscher.

Polen, Polska, Polanen; dem Wortsinn nach: Feldbewohner.

 

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Ziemniak/ Kartoffel, 2006, 1:50 Modell, Papiermodell, Einbindung in Architektur

 

Konzeptioneller Ansatz:

Die grundlegende Erfahrung, dass Menschen sich über Sprache verständigen und die Tatsache, dass die Verständigung von Nachbarn auch scheitern kann, manifestiert sich in der polnischen Sprache, bei der Bezeichnung für Deutsche, deutsch, Deutschland = niemecki; dieses Wort lässt sich auf den Begriff “stumm” zurückführen. Die slawischen und germanischen Stämme konnten sprachlich nicht miteinander kommunizieren.

In der Auseinandersetzung über die schmerzhafte und sehr wechselvolle Geschichte beider Länder fehlt oft genug die Sprache, meist fehlt sogar schlichtweg die Begegnung. Eine andere Erfahrung macht, wer bei einem gemeinsamen Mahl auf unbekannte Menschen stößt: man teilt, Bedürfnisse werden “befriedet” und man kommt miteinander ins Gespräch.
Mit unserem Entwurf ziemniak/Kartoffel möchten wir einerseits an segensreiche Wirkung der Kartoffeln in den benachbarten Ländern erinnern und gleichzeitig eine Tradition ins Leben rufen, welche die Sprachlosigkeit zwischen Deutschen und Polen nicht nur symbolisch überwindet.

 

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Ziemniak/ Kartoffel, 2006, 1:50 Modell, Papiermodell, Einbindung in Architektur

 

Vorschlag:

1. Die Kartoffel: eine etwa 220 cm hohe Kartoffelskulptur erinnert als Denkmal an die historische Begebenheit der Kartoffeleinführung.
Sie wird im Bogen der Exedra stehen und vom Botschaftsgebäude sowie von großen Teilen des Gartens aus sichtbar sein.
Damit wird nicht nur auf eine der wenigen positiven deutschen “Importe” nach Polen verwiesen, sondern auch an eine große Gemeinsamkeit (Anbau und Genuss der Kartoffel), die Überwindung von Vorurteilen (vermeintliche) Ungenießbarkeit der Kartoffel) und die damit verbundene Überwindung von Hungersnöten.

 

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Ziemniak/ Kartoffel, 2006, 1:50 Modell, Winteracker

 

2. Der Acker: im Botschaftsgarten wird jährlich ein Kartoffelacker angelegt (etwa 10 x 20 m).
Dieser Acker ist gesäumt von Kräutern, die in Polen sowie in Deutschland typischerweise zu Kartoffelspeisen verzehrt werden: Petersilie, Borretsch, Schnittlauch und aus der großen Familie der Lippenblütler: Rosmarin, Thymian und Salbei. Im Herbst jeden Jahres wird das Feld abgeerntet.

 

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Ziemniak/ Kartoffel, 2006, Montage, Fotokopie, Filzstift

 

3. Das gemeinsame Essen: aus der jährlichen Ernte der Kartoffeln und Kräuter wird im Herbst eine Speise zubereitet. Etwa 30 polnische und deutsche Bürger werden von der deutschen Botschaft an eine große Tafel geladen, um zu kommunizieren und sich kennen zu lernen. Schön wäre eine heterogene Gästeschar, sowie ein Menueauswahl unterschiedlichster Kartoffelgerichte. Die Auswahl der Gäste sowie der Ablauf des Abends wird mit dem derzeitigen Botschafter gemeinsam entwickelt.
Damit soll eine Tradition ins Leben gerufen werden, die bei einem gemeinschaftlich begangenen Mahl Möglichkeiten der Begegnung schafft und damit zur Überwindung der Sprachlosigkeit beiträgt.

 

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Ziemniak/ Kartoffel, 2006, Montage, Fotokopie, Filzstifte

 

Die Bronze-Kartoffel, das Kartoffelfeld und das jährlich stattfindende Kartoffel-Festmahl sind gleichwertig und bilden eine konzeptuelle Einheit. Die sichtbaren Elemente (Acker und Bronze-Kartoffel) staffeln sich vor der Exedra und machen den Botschaftsgarten in seiner Ausdehnung erlebbar. Eine Beleuchtung bei abendlichen Anlässen betont diesen gestalterischen Zusammenhang optisch.