WHAT IF… | Entwurf Allee der Kosmonauten

Die Weiterentwicklung des Entwurfs „What if…?“ knüpft an die Idee des Architekten Poduschka (ppag) Werkzeug Schulgebäude an und sie wird um künstlerische Objekte erweitert, die subtil und spielerisch die Wahrnehmung des Umfeldes von Lernenden und Lehrenden bereichern.

 

 

 

PDF  mit Beschreibung der Objekte, ihrer Materialien und Herstellungstechniken sowie Verortung der Installation innerhalb des Schulgebäudes und dem Außenbereich.

 

 

What if …? [oder: von der Richtungsänderung der Gedanken bei bloßer Betrachtung der einfachsten Dinge].

 

Entwurf für Schulneubau Allee der Kosmonauten (Doppel-Schulgebäude: ISS und Gymnasium) Berlin Lichtenberg, 2 phasiger offener anonymer Wettbewerb, Erläuterungstext 2. Phase (Endrunde).

 

Laut des Architekten Georg Poduschka ist der Leitgedanke für dieses neue Schulgebäude den Nutzer*innen ein Werkzeug des Lernens bereitzustellen. Die Weiterentwicklung des Entwurfs „What if…?“ knüpft an diese Idee an.

Das Werkzeug Schulgebäude wird um 22 künstlerische Objekte erweitert, die subtil und spielerisch die Wahrnehmung des Umfeldes von Lernenden und Lehrenden bereichern.

Der Entwurf spielt dabei mit einem einfachen Gegenstand. Formal bildet die Schale (Gefäß) die Klammer des Vorschlags: Die Schale ist einer der ersten Gebrauchsgegenstände, die Menschen mit zunächst vermutlich bloßen Händen aus Erde und Wasser hergestellt haben. Sie taucht als Objekt in drei- und in zweidimensionaler Form auf, sie leuchtet, sie dreht sich, sie spiegelt, sie umflicht, sie dehnt sich, sie ist gewachsen, usw.

Durch die zurückgenommenen und beiläufig installierten Objekte sollen eigene Denkmuster deutlich werden, Assoziationen und Inspiration freigesetzt und so zu eigenen Ideen im Umgang mit der Umwelt ermutigt werden. Die Nutzer*innen sollen sich in einer inspirierenden und wunderkammerartigen Topographie bewegen. Anders als bei Werken, die eine dezidiert künstlerisch-individuelle Handschrift ihres Schöpfers tragen, soll es hier um Angebote und Inspiration, Augenhöhe und Empowerment gehen.

Eine Schale ist erst einmal nur ein universelles, offenes Gefäß mit einem Hohlraum, das dem Zweck dient, seinen Inhalt von seiner Umwelt zu trennen. In Schalen wie sie in allen Kulturen vorkommen, lässt sich Inhalt nicht nur sammeln, sondern auch transportieren und (ver)teilen. Schalen eignen sich weniger zur Aufbewahrung oder Speicherung unterschiedlicher Inhalte, da sie offen sind. Sie dienen vielmehr dazu Inhalte zu sammeln, zu ordnen und bereitzuhalten – metaphorisch könnte dies auch als Bezug zur Wissensvermittlung gesehen werden: Gefäße, die durch Schulpläne, Lerninhalte, Haltungen von Lehrenden, eigenen Erfahrungen, gesellschaftlichen und kulturellen Prägungen angereichert werden und die diese wiederum mit der Welt teilen.

Der Entwurf sieht vor, im Innen- und im Außenbereich des Schulgebäudes die Form einer Schale 22 mal in traditionellen wie auch neuartigen Materialien, Größen, Funktionen und Darstellungen zu variieren bzw. abzubilden. Dabei kommen Ton (Erde), Holz und Pflanzengewächse, Stein und Glas, aber auch Werkstoffe wie Myzelien und Biogewebe, recycelte Produkte und neuartige Verbundstoffe und Techniken vor (modelliert, gedreht, gehauen, geritzt, gedruckt, geflochten, gewebt usw.). Die Schale wird als Relief direkt in oder auf die Wände aufgebracht, Schalenumrisse brechen und verfärben das Licht oder Schalen bieten eine unerwartete Nutzung (beispielsweise als Sitzobjekt oder zum Sammeln von Regenwasser). Die unterschiedlichen Materialien und Ansichten der Schale und deren Installationen kontrastieren dabei überraschend mit ihrem Sujet: uralte (u. a. indigene) handwerkliche, künstlerische bis hochmoderne nachhaltige Techniken und Strategien werden aufgegriffen. Nebenbei wird also auch ein Abbild von Kulturgeschichte gezeigt.

An verschiedenen Orten werden an Wänden, Boden oder Decken Arbeiten platziert, deren Form und Größe jeweils ortspezifisch für die ausgewählten Wandabschnitte entwickelt werden.

Die Vorstellung von Machbarem wird gedanklich in alle Richtungen erweitert. Alle Schalen- Objekte implizieren dabei, dass sie auch anders sein könnten: in ihren Maßstäben, ihrer Materialität, ihren Referenzpunkten und in dem, was sie an individueller Wahrnehmung ermöglichen.

Etliche Objekt werden auch haptisch erfahrbar sein. Dabei wird die gesamte Schule zu einem Labor der Erforschung der eigenen Wahrnehmung und des eigenen Denkens. Der Entwurf zielt auf eine Form der Kunst ab, die sich der Wechselbeziehungen zwischen den Lebewesen und ihrer Umwelt bewusst ist. Wir Menschen existieren nur, weil alle(s) andere(n) existier(t)en. Wir müssen die Natur nicht als Topos retten, sondern wir sind in der Situation, die Natur als unseren Lebensraum erhalten zu müssen. Dieses Verständnis setzt die Anerkennung vieler Seinsweisen und Praktiken voraus – nicht nur einer einzigen, die alles beherrschende Kraft beansprucht. Und so geht es in diesem Entwurf darum, Wissen und Erfahrung, Fertigkeit und Verständnis vieler Akteur*innen in der Werkstatt Schule zusammenbringen und zu zeigen. Dafür wird in der Umsetzung mit zahlreichen Handwerker*innen, Expert*innen, Designer*innen und Forscher*innen zusammengearbeitet.

Fester Bestandteil von „What if…?“ ist die Publikation, welche allen Nutzer*innen die Herleitungen der Form und die Materialität und Technik der jeweiligen Objekte ausführlich aufbereitet vorstellt. Dieses Buch kann fächerübergreifend im Unterricht eingesetzt werden. Neben der künstlerischen Vermittlung hat es die Funktion, Wahrnehmung, soziale- und Naturerfahrung und die vorhandene sowie die daraus resultierende spielerische Kreativität von künftigen Schüler*innen zu stimulieren.